Dienstag, 8. August 2017

Gebet in der Stille

Jeden ersten und dritten Montag besuche ich das Ruhegebet im Kirchröder Turm in Hannover. Ich halte mir oft den Psalm 46. vor meine Augen. Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin! Ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der ganze Psalm 46 beschreibt eine krisengeschüttelte Welt mit großen persönlichen und globalen Nöten wie heute. Doch der Aufruf am Ende des Psalms -"Seid stille"- hat mit Flucht vor der Wirklichkeit nichts zu tun. Im Gegenteil: Stille wird als Ruf zur Umkehr und als aktiver Protest gegen die damalige Politik verstanden: Seid jetzt endlich still hört auf zu kämpfen, und denkt einmal daran, dass nicht ihr die letzte Instanz seid.....". Für mich heute könnte das auch heißen: Jedes Mal, wenn ich still werde, kehre ich der Welt nicht den Rücken zu, sondern ich nehme bewusst an einer inneren Protestbewegung teil und rufe mich zur Umkehr auf: STOPP ! Burkhard sei still und erkenne: Es kann auch anders weitergehen. In einer Zeit, in der so viel geredet, getextet, gelogen und über die sozialen Medien verbreitet wird wie heute, hat Stille deswegen etwas außergewöhnliches Revolutionäres. Stille bedeutet für mich, mit dem Reden aufhören und endlich mal zuhören - eine Kunst, die heute nur noch selten vorkommt.

Im Psalm hat das "seid still" die einfache Konsequenz: " und erkennt, dass ich Gott bin." Wer mitten im Alltag es schaft ein paar Minuten still zu sein, allein oder auch mit anderen Menschen, erkennt, dass letztendlich nicht wir, sondern Gott die Zukunft unserer Welt, unsere Beziehungen in seinen Händen hält.
Burkhard Henze


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